Furcht vs. Glauben

Furcht ist der Glaube an die Übermacht des Gegners Gottes und an die Widerstände, denen wir begegnen, wenn wir unterwegs sind eine neue Kirche zu starten. Furcht ist vielleicht das Gefühl, mit dem ich am meisten zu kämpfen habe. Fast jedes Mal, wenn ich mich entschließe einen mutigen Schritt vorwärts zu gehen, überfällt mich im nächsten Augenblick die Furcht. Werde ich die Finanzen dafür zusammen bekommen? Werden die Menschen mich noch respektieren? Wer bin ich überhaupt, sollte es nicht lieber jemand anders machen? Was ist, wenn ich alles, was ich bin und habe, investiere und dann funktioniert es nicht?

Als Kirchengründer müssen wir eine Sache lernen: Du kannst nur zu einem sich-multiplizierenden-Leiter werden, wenn du deiner Furcht eine Abfuhr erteilst. Gott hat es Josua, dem großen und erfahrenen Anführer, sogar verboten sich zu fürchten: 

Habe ich dir nicht geboten: Sei stark und mutig? Erschrick nicht und fürchte dich nicht! Denn mit dir ist der HERR, dein Gott, wo immer du gehst.

Die Bibel, Josua 1,9

Nichts Gutes und Lebensspendendes wird jemals aus Frucht heraus geboren. Neues wird in einer Atmosphäre von Glauben geboren. Glaube ist nichts anderes als Gottes Wort zu hören und so sehr daran zu glauben, dass du danach handelst.

Wenn du dich von deiner Furcht bestimmen lässt kannst du keine sich-offensiv-multiplizierende-Kirche bauen. In der Tat ist die Entscheidung, eine neue Kirche zu gründen, gleichzeitig eine Entscheidung deiner Furcht eine Abfuhr zu erteilen. Diese Entscheidung muss immer und immer wieder getroffen werden, denn wir müssen die Anziehungskraft immer wieder überwinden, die die Furcht über uns ausübt.

Gottes Mission erfordert Glauben

Wenn du eine neue Kirche startest, dann frage dich nicht was ein gutes Ergebnis für dich wäre. Als ich in Thüringen ankam, wäre ich schon total glücklich gewesen eine neue Kirche im Osten unseres Landes zu starten. Auf unserer jährliche Bundeskonferenzen hätte ich mich wie ein Held gefühlt (und mich wahrscheinlich auch so verhalten). Eine neue Kirche zu starten wäre für mein Ego völlig ausreichend gewesen. Aber mir wurde sehr schnell klar, dass eine neue Kirche nichts ändern würde an der gesamten Situation. Eine neue Kirche würde Gottes Absichten, allen Menschen die Ewigkeit bei ihm zu ermöglichen, nicht gerecht geworden.

Wenn ich also die Zahl der Menschen mir vor Augen führte, die immer noch ohne bedeutungsvollen und ansprechenden Zugang zum Evangelium auskommen mussten, wurde mir klar, dass mein Traum, meine Vision, größer sein muss. Es reicht nicht nur eine Kirche zu starten. Der Osten unseres Landes braucht nicht weniger als eine Bewegung von neuen und erneuerten Kirchen. Das ist seitdem mein Fokus. 

Es geht nicht darum, unter den Top 20 besten Gemeindegründungen in deiner Denomination zu sein. Es geht nicht darum, einfach besser zu sein wie die Anderen. Es geht nicht darum, einfach etwas zu tun, dass dich zu einem Helden macht. Es geht darum, sich an dem zu orientieren, was Gott sich in seinem Herzen vorgenommen hat zu tun.

Richte deinen Blick auf die Menschen, die noch keinen Zugang zu Evangelium haben. Also auf die Ernte, wie Jesus diese Menschen nennt. Lass die Mission Gottes dein Maßstab sein. Vergleiche dich nicht mit letztem Jahr oder mit der Gemeinde von neben an. Du bist auf einer Mission mit Jesus. Passe deine Vision, der Größe der Ernte an und dein Glaube wird wachsen! Der Maßstab für unseren Glauben ist das Erntefeld, in welches Gott uns sendet. Wir sind nicht Pastoren für eine Gemeinde, sondern für eine Stadt. Wir sind nicht Gründer für eine Kirche, sondern für eine Region. Das Ziel eines Kirchengründer sollte nie einfach eine neue Kirche sein. Es geht nicht um eine bestimmte Anzahl von Kirchen, es geht um eine Bewegung von neuen und erneuerten Kirchen, die neue Kirchen, neue Campi und neue Netzwerke von neuen Kirchen hervorbringen. Es geht um eine Bewegung von neuen und erneuerten Kirchen! Das ist der Maßstab unseres Glaubens, denn nur so erfüllt sich die Mission Gottes!

Glauben ist eng verbunden mit Innovation

Erkenne an, dass Glauben keine Option ist. Die Bibel sagt, dass wir Gott nicht gefallen können ohne Glauben. Wenn du deine Vision aus deiner eigenen Fähigkeit heraus erfüllen kannst, dann ist es nicht Gottes Vision. Frage dich täglich, ob du Gott vertraust für missionale Ergebnisse, die außerhalb von dem liegen, was du selbst erreichen kannst. Wenn es nicht so ist, passe deine Erwartung so an, bis Glauben absolut notwendig ist.

Denke daran, dass Glauben dich dort hinführt, wo du noch nie warst. Glauben ist eng verbunden mit Innovation. Das zu wiederholen, wie es Andere schon getan haben, wird nicht die missionalen Ergebnisse hervorbringen, die Gott durch dich und deiner neuen Kirche erzielen möchte. Glauben zwingt dich dazu, neue Lösungsansätze zu finden, die dazu führen, dass immer mehr Menschen mit Jesus in Kontakt kommen.

Glauben heißt, wir starten bevor wir dazu bereit sind

Eine Blockade für mich am Anfang war mein Anspruch alles genau richtig zu machen. Erst dann loslegen zu können, wenn ich bereit war alles richtig zu machen. Nun, in Gemeindegründung fangen wir höchst wahrscheinlich nicht als Experten an. Wenn wir dennoch starten, haben wir die Chance auf dem Weg zu Experten zu werden. Aber wir müssen anfangen, auch wenn wir noch nicht dazu bereit sind. Das löst in uns das Gefühl von Chaos aus. In der Gründung gibt es oft wenig Sicherheit und viel Chaos, deshalb tun wir uns oft schwer damit anzufangen, weil das Neue ein Gefühl der Unsicherheit in uns auslöst. Das Bestehende ist erprobt. Das Bekannte, damit kennen wir uns aus. Aber, wir haben unsere Zweifel, sind verunsichert und zögerlich, weil das Neue unbekannt, unerprobt und ganz anders ist. Da gibt es wenig Sicherheit und viel Chaos.

Am Anfang ist die neue Sache selten so gut, wie das Bisherige war. Aber wenn Du darauf wartest, bis die Alternative von Anfang an besser ist als der Status Quo, wirst Du nie anfangen. 

Seth Godin in On the Verge: A Journey Into the Apostolic Future of the Church (Exponential)

Unser Feind ist nicht unser Mangel an Vorbereitung. Auch nicht die Schwierigkeit unseres Projektes, welche uns abhält anzufangen. Genauso wenig ist es der Mangel an Ressourcen, Zeit oder Finanzen.

Unser Feind ist das Geratter unseres Gehirns, das, wenn wir es nur eine Nanosekunde Zeit lassen, anfängt Ausreden, Alibis, und weitere Millionen Gründe zu produzieren, warum wir nicht tun können / sollen / werden, was wir wissen, dass wir tun müssten.

Steven Pressfield, Do the Work: Overcome Resistance and Get Out of Your Own Way

Anders gesagt, Furcht lähmt uns das zu tun, was wir tun wollen, was Gott will, das wir tun sollen. Es gibt nun eine Lösung – Glauben. Ganz praktisch heißt das: Fang an, bevor du dazu bereit bist!

Glaube wird praktisch in dem wir ein kalkuliertes Risiko eingehen

Fast zwei Jahre waren vergangen und meine Frau musste immer noch pendeln. Fünf Stunden am Freitagnachmittag mit dem Regionalzug von Ludwigsburg nach Arnstadt. Sonntagnachmittag wieder fünf Stunden zurück. Zehn Stunden jedes Wochenende, um wenigstens ein bisschen Zeit miteinander am Wochenende zu haben. Die ganz normale Gründungsarbeit, Gründungsgottesdienste und Team-Treffen, liefen in dieser Zeit natürlich weiter. Ganz zu schweigen von dem bescheidenen Gefühl unter der Woche voneinander getrennt zu sein. So hatten wir es nicht geplant. Es war innerlich fast nicht mehr auszuhalten. Ich verstand Gott nicht mehr. Hatten wir nicht seinen Ruf gehört? Wir waren doch nicht um unsertwillen in diese neue Situation gegangen. Hatten unser Haus verkauft und meinen Job gekündigt, wir taten es doch für unsern Herrn. Warum funktionierte es dann nicht? Wir waren auch nicht untätig. Meine Frau hat alles versucht, was ihr möglich war eine neue Stelle an unserem neuen Wirkungsort zu bekommen. Aber keine Tür hat sich geöffnet.

In dieser Zeit bekamen wir so manch guter Ratschlag. Vielleicht müsst ihr einfach im Glauben kündigen. Wow, das ist ein super Ratschlag, vor allem wenn es von Menschen kommt, die gut verdienen. Dann hörten wir Stimmen, es gibt nur einen Weg, ihr müsst wieder zurück. Das wäre auch keine Schande nach zwei Jahren zurückzukehren. Nichts von diesen guten gemeinten Ratschlägen hat wirklich geholfen.

In dieser Zeit war ich verantwortlich einen Tag für Gemeindegründer zu veranstalten. Drei Sprecher aus Norwegen waren da und ich dürfte sie übersetzen. Während einer Einheit erzählte der Sprecher, dass er den Eindruck hätte, Gott wollte jemand etwas sagen. Dieser jemand soll ein kalkuliertes Risiko eingehen. Während ich dabei war zu übersetzen, spürte ich in mir, dass dieser Eindruck womöglich für mich war. Als ich den Sprecher zum Flughafen fuhr, fragte ich ihn, was den ein kalkuliertes Risiko sei. Er erklärte es mir und ich dachte, so könnten meine Frau und ich es auch tun. Also sprach ich mit meiner Frau. Wir überschlugen unsere Finanzen – was würde sie an Arbeitslosengeld bekommen und was hatte ich an Spenden? Wir rechneten aus, dass wir damit ein Jahr schaffen könnten und so sagten wir, okay Gott, ein Jahr schaffen wir, wenn du es dann nicht machbar machst, dann ist es nicht machbar. Christel hat ihre Kündigung angekündigt und wir waren bereit aufs Wasser zu gehen. Dann geschah das Wunder. Plötzlich wurde es möglich für Christel bei ihrem Arbeitgeber angestellt zu bleiben und über HomeOffice zu arbeiten. Gott hat es machbar gemacht, dass wir inzwischen sieben Jahre in unserer neuen Heimat unterwegs sind neue Kirchen zu gründen.

Ich buchstabiere Glauben heute so – ich gehe ein kalkuliertes Risiko ein. Es ist meine Art zu hören, ob ich wirklich Jesus gehört habe. Ich will aufs Wasser gehen, aber dazu muss ich von Gott gehört haben. Ein kalkuliertes Risiko heißt, wir haben genug, um uns auf dem Weg zu machen, aber nicht genug, um durchzukommen. Wir machen uns auf dem Weg und schauen, ob Gott anfängt, das was fehlt zu ergänzen, damit wir durchkommen können. Ganz praktisch frage ich mich, ob ich genug habe, um ein Jahr zu schaffen – das ist meine Peilung, um ein kalkuliertes Risiko einzugehen.

One thought on “Glauben – die Atmosphäre, in der neues Leben entsteht

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